Johann Wolfgang von Goethe:    Es möchte kein Hund so länger leben!
(aus: Feige, Chr.; Meggle, G.; Wessels, U. (Hrsg.): Der Sinn des Lebens, München 2000, S. 71.)

Nacht. In einem hochgewölbten, engen, gotischen Zimmer Faust unruhig auf seinem Sessel am Pulte.

Faust.

Habe nun, ach! Philosophie, 
Juristerei und Medizin, 
Und leider auch Theologie!
Durchaus studiert, mit heißem Bemühn. 
Da steh' ich nun, ich armer Tor, 
Und bin so klug als wie zuvor; 
Heiße Magister, heiße Doktor gar, 
Und ziehe schon an die zehen Jahr 
Herauf, herab und quer und krumm 
Meine Schüler an der Nase herum -
Und sehe, dass wir nichts wissen können! 
Das will mir schier das Herz verbrennen. 
Zwar bin ich gescheiter als alle die Laffen, 
Doktoren, Magister, Schreiber und Pfaffen; 
Mich plagen keine Skrupel noch Zweifel, 
Fürchte mich weder vor Hölle noch Teufel -
Dafür ist mir auch alle Freud' entrissen, 
Bilde mir nicht ein, was Rechts zu wissen, 
Bilde mir nicht ein, ich könnte was lehren, 
Die Menschen zu bessern und zu bekehren. 
Auch hab' ich weder Gut noch Geld, 
Noch Ehr' und Herrlichkeit der Welt; 
Es möchte kein Hund so länger leben!

Copyright © 2004 Dennis Vihar. Alle Rechte vorbehalten.
Stand: 09. Mai 2004