- Wer hätte gedacht, dass der Sound der Kills noch härter und geschliffener werden könnte als auf ihrem Debüt Keep on Your Mean Side, obwohl man durchaus in der Erwartung eines fortgeschritteneren Sounds war. No Wow ist wohl das rockigste und überzeugendste Rockalbum seit langem. Es stellt Keep on Your Mean Side schon ein wenig durch seinen harten und rohen Klang in den Schatten, und lässt das Debüt eher wie ein konventionelles Indie-Rock-Album wirken. Die pulsierenden Gitarren, die To-the-Point-Rhythmik und die harschen Songtexte wurden so dermaßen zu dem Nötigsten konzentriert und aufeinander abgestimmt, dass man meinen könnte, dass No Wow eine perfekte Karikatur des Rocks wäre. Weniger ist eben immer mehr für die Kills, gleichwohl macht das das Album nur noch stärker und zeugt von gnadenlosem Selbstbewusstsein der zwei Amis. Sie klingen energiegeladener, überzeugender und unverwechselbarer als auf ihrem Debüt. "No Wow" ist ein fantastischer Opener für ein Album, ein makelloses Statement, das nach Liebe schreit - seit Rid of Me hat man so etwas nicht mehr gehört. Von da an, bis hin zum leicht narkotisierten "I Hate the Way You Love, Pt. 2" lässt das Album nicht nach und die Tracks beissen immer weiter zu. Die Stücke wirken ein wenig monochromatisch, wobei die Kills versuchen ein musikalisches Thema immer weiter zu variieren. Aber das heißt nicht, dass die Songs monoton seien!
- Weise wie sie sind, haben sie die Drums wie eine Drum-Machine klingen lassen, wie z.B. zu solchen Liedern wie "Love is a Deserter", bei dem sich die Drums wie das Geklapper eines Skeletts anhören. Und bei anderen Songs wiederum, wie "The Good Ones" und "Sweet Cloud" hören sie sich wie ein heftiger Kolbenstoss an. "Dead Road 7" hat dazu noch den Touch von mysteriösem Country/Blues-Storytelling - eine Richtung, die die Band durchaus weiter verfolgen sollte. Manchmal aber klingt das Album leider ein wenig zu überladen und komprimiert - sie überfliegen einfach die gewissen Pop-Momente zu schnell, was bei Keep on Your Mean Side nicht der Fall war. "Rodeo Town" ist zweifelsohne die beste und auch zugleich süßeste Ballade die die Band je geschrieben hat und "Ticket Man" beendet den Longplayer mit einer hypnotisch-nachdenklichen Note. Und obwohl Hotel hier gar nicht mehr singt, muss man VV zugestehen, das wettzumachen, sodass man den löwenartigen Vocals gar nicht wirklich nachtrauert; denn auch VV beweist die gewisse und nötige Würze ihrer Stimme.
- No Wow hört sich an wie ein harter Kampf zweier Menschen auf engstem Raum, und man will nur noch mitmischen, auch wenn kaum noch Platz dazu da ist, richtig auszuholen und die Schläge zu setzen. Ja, so muss Rock sein.
- - Dennis Vihar
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