R.E.M.
f. 1980 in Athens, USA
Alternative Pop/Rock

New Adventures in Hi-Fi / 10. September 1996 / Warner Bros.  

(1) How the West and Where It Got Us
(2) The Wake-Up Bomb
(3) New Test Leper
(4) Undertow
(5) E-Bow the Letter
(6) Leave
(7) Departure
(8) Bittersweet Me
(9) Be Mine
(10) Binky the Doormat
(11) Zither
(12) So Fast, So Numb
(13) Low Desert
(14) Electrolite

Thomas Hüetlin schrieb einmal im <Spiegel>: "[R.E.M. gelten] im Unterground als Symbol dafür, daß man im Mainstream landen kann, ohne zum selbstgefälligen Geldtrottel oder zum selbstgefälligen Talk-Show-Clown zu werden".
Dies bewiesen R.E.M. mit dem eher enttäuschenden Album Monster zwei Jahre zuvor - mehr Mainstream als nötig und gewohnt von R.E.M., aber der Erfolg blieb dennoch nicht aus. Wie denn auch, denn sie haben sich über all die Jahre einen unvergleichbaren Status erspielen können. Mit jedem neuen Album weiß man nie recht, was einen erwarten wird, so war es auch mit Monster. Und dann die Albtraum-Tour! New Adventures... wurde während und direkt nach der Tour aufgenommen. Alle Songtexte von Stipes sind über Reisen, Bewegung, innere Unruhe. Der Sound ist ein ganz anderer als auf Monster, was für ein Wunder auch. Es ist ein Konlgomerat von Tapes, Live-Mitschnitten, Soundtracks und Studioaufnahmen. Das macht den rohen und vielschichtigen Sound des Albums aus, bei dem man immer mehr entdecken kann. New Adeventures in Hi-Fi hat den gleichen Geist von alten IRS-Alben, gleichwohl sollte man den Titel des Albums nicht auf die leichte Schulter nehmen; denn R.E.M. probieren auf dem Album neue Studiotechniken aus. Ganz ungeniert. "How the West Was Won and Where It Got Us" eröffnet den Reigen mit einer Hip-Hop-Drumloop und einem leicht dissonanten Jazz-Piano. "E-Bow the Letter" fängt wie ein Update von "Country Feedback" an, dann wirkt es immer mehr davon losgelöst und endet in ächzenden Gitarren und Patti-Smith-Vocals, die klingen, als wolle sie Stipe verfolgen. Mit knapp sieben Minuten ist "Leave" das längste Stück was sie bis zu diesem Zeitpunkt aufgenommen haben, und es ist eines ihrer besten und ungewöhnlichsten - angefangen mit gezupften Moll-Akkorden und einem Keyboard-Klangteppich im Hintergrund, explodiert es nach diesem knapp einmütigen Intro mit einer heulenden Sirene und deren Loop, die das ganze Stück hindurch klingt. Dazu harte, trockene E-Gitarren mit viel Overdrive und ungewöhnlich viel Midi-Klängen. Das beste Stück, ungewöhnlich neu und stark, dass einem die Kinnlade herunterhängt.
Dahingegen bewegen sich R.E.M. mit den anderen Songs auf gewöhnlichem Terrain. "Electrolite" ist eine süße Pianoballade, die an "Nightswimming" erinnert, "Departure" rockt wie eine Document-Adaption und der ertönende Anfangsriff zu "Bittersweet Me" hört sich an als wäre es anno 1985 geschrieben worden. "New Test Leper" ist freundlicher, geschwungener Foll-Rock und "Undertow" rockt wie die vorigen Monster-Stücke.
New Adventures in Hi-Fi hat seine unverkennbaren Klassikerambitionen ("Leave", "How the West..."), aber dazu auch wieder seine Schema-F-Schwäche. Dennoch ist es R.E.M.s bestes Album der 1990er.

 

R.E.M. online: www.remhq.com

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