Red House Painters
f. 1989 in San Francisco, Kalifornien, Vereinigte Staaten von Amerika
Sadcore, Dream Pop, Alternative Pop/Rock, Indie Rock, Singer/Songwriter

Old Ramon / 10. April 2001 / Sub Pop  

(1) Wop-a-Din-Din
(2) Byrd Joel
(3) Void
(4) Between Days
(5) Cruiser
(6) Michigan
(7) River
(8) Smokey
(9) Golden
(10) Kavita

Schon einmal mehrere Stunden am Stück geheult, und Dich trotzdem gut dabei gefühlt, sogar glücklich und erhaben? Als wenn eine neue, wenn auch nicht wirklich fröhliche Energie durch Dich strömt? Melancholie die Dich aber trotz ihrer mentalen Härte glücklich werden lässt.
Das sind die Red House Painters um Mark Kozelek. Nach Jahren auf dem Ausrangiergleis aufgrund der Labelprobleme mit Supreme und Island erblickte das lang erwartete Album Old Ramon Gott sei Dank doch noch das Licht. 1997 und 98 aufgenommen und erst 2001 veröffentlicht; manch einer mag verzweifeln und aufgeben. Mit Dank Sub Pop fand man ein Label das Kozeleks Talente zu schätzen lernte. Und man sieht - Sub Pop brauchte Kozelek so sehr wie dieser das Label. Old Ramon stoppt Sub Pops langsam aber stetig abfahrenden Zug, und das noch rechtzeitig. Ironischerweise lässt die lang verschobene Veröffentlichung das Album noch frischer und freudiger klingen. Auch wenn schon mit dem Opener "Wop-a-Din-Din" die Sadcore-Ära eingestimmt wird und fast ausnahmslos die Scheibe durchtränkt. Dennoch macht dieser einladene Mix aus freundlichen, warmen Gitarren und Kozeleks höchst gefühlvoller Stimme das Album zum bisher eingängisten und hoffnungsvollsten. Obwohl eines der bestens Stücke von Old Ramon, "Find Me, Ruben Oliveras", nicht den Weg auf die veröffentlichte Version gefunden hat und sich vielmehr auf der Shanti Project Collection wiederfindet, zeigen die verbliebenen zehn Songs eindrucksvoll die Songwriter- und Gitarristenqualitäten des Mark Kozelek. Mit dem Opener "Wop-a-Din-Din", einem glockenspielähnlichen und entzückenden Tribut an seine Katze, zeigt die Band dass sie eigentlich eine etwas früöhlichere Gangart einlegen wollen; im Gegegensatz zu den sonst so brütenden Painters. Sogar langsamere, sehnsuchtsvollere Nummern wie "Smokey", "Cruiser" und "Void" - deren Songtitel einen so erschütternden und seelen-suchenden Song wie Down Colorfull Hills "24" erahnen lassen - zeugen von fröhlicheren Painters als sonst. Auch wenn die Lieder immer noch Sadcore pur sind. Old Ramon hält zwar die Politur früherer Werke bei, sprüht aber voll neuer Unvermittelbarkeit und Vitalität, vor allem auf so folkig poppigen Nummern wie "Byrd Joel", einem wunderbaren Mix aus purem Folk und Rockwärme. "Between Days" hat die bisher am saftigsten klingende Red House Painters Gitarren. Welch eine Überraschung. Kozeleks ein- und ausdrucksvolle Gitarren bekommt eine Menge Raum zum atmen in dem andersklingenden, kraftlosen 11-Minuten Epos "River". Dahingegen zeigen seine herzergreifenden und runden Vocals auf dem hypnotischen "Golden" und dem folkigen, sich langsam steigernden "Michigan", dass Mark Kozelek einer der besten Sänger im Alternative/Indie-Rock ist. Das launische Liebeslied "Kavita" ist mit seinem Happy End zweifelsohne gut platziert. Denn diese schwer verdaulichen Geschichten die Kozelek hier erzählt fordern einen definitiv zu hundert Prozent.
Bei dem ein oder anderen könnten da wirklich einige Tränen der Freude kullern . . .
Dennis Vihar

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