- Es gibt tatsächlich einige Leute, die Dir Glauben machen wollten, dass Queens of the Stone Ages drittes Album, Songs for the Deaf, die Rückkehr des echten Rocks sei - ein knochenbrechendes Werk voll grenzenloser Fantasie, das Fundament einer neuen, einzigartigen Rockära. Sowie Niravanas Nevermind knapp eine Dekade vorher.
- Diese Leute sind zufälligerweise die gleichen, die die White Stripes oder Strokes rezensierten. Sie behaupteten schon damals, dass diese Bands nichts weiter als hype seien. Und gleichzeitig gaben sich diese Kritiker der schamlosen und atemlosen Übertreibung hin, wann immer sie ein einziges Wort über QOTSA sprachen, dass Songs for the Deaf das beste Rockalben seit einem Jahrzehnt sei. Die offenen Mäuler blieben starr. Jemand, der Tracks von Songs for the Deaf vor dessen Veröffentlichung gehört hatte, war der Meinung, dass es sich hierbei um die beste Rockplatte seit langem handelt, zumindest seit dem Vorgänger R. Damit wurde die Messlatte unerreichbar hoch gehangen.
- Zu allerest - all diese Stimmen sind nicht akzetabel. Die Musik ist nicht wirklich so ungewöhnlich oder gigantisch und einzigartig wie meist hochgepriesen (einiges, was an Cream erinnert und mit Garage Rock, Prog-Metal, Album Rock und Punk angereichert ist, macht einen weder zu Borbetomagus, noch macht es einen "einfallsreich"). Aber gerade weil die Band so engstirnig ist, so zufrieden mit sich selbst und ihrem Sound, und einen Scheiß darauf gibt, was die Zuhörer denken, sind sie so groß und stark. Das hat einen großen EInfluss die Produktion, die insgesamt wie ein schief-gegangener Witz klingt. Die Instrumente sind planiert und so dermaßen komprimiert, als wenn das Album aus einem billigen Ford-Autoradio tönt. Das könnte das Erfolgsrezept sein - der Longplayer beginnt mit Radio-Geschnatter, mit allerlei Spaßkillern eines gefakten Radio-DJs. Aber Songs beschließt letztenendes insgesamt sich in der Gesamtheit gleich und weniger abwechlungsreich anzuhören, da jede Gitarre den gleichen fleischigen, mid-range-, und keinen Diskant-Sound hat. Und Dave Grohl (aka der härteste und powervollste Drummer im ganzen Universum) geht die Luft aus - in den Hintergrund gedrückt, nie so richtig laut, ohne der Musik die Muskeln zu geben, die sie doch eigentlich braucht. So gesehen, wirkt es ermüdend dieser Platte zuzuhören. Zuviel in der gleichen Tonfrequenz, alles trifft das Ohr ohne Ohrsausen und Blut zu hinterlassen, keine einzigen Song-Blasen am Ohr. Nur ein taubes Gefühl mit dem Verlangen, eine gewisse Gestalt und einen Aufbau auf dem Album zu finden.
- Sobald man diese musikalische Erfahrung gemacht hat, wird man kaum noch sagen, dass The Strokes Is This It? einfach nur hype sei - ganz im Gegenteil, Is This It? ist musikalische Ästhetik pur und zwingt den Sound von QOTSAs Songs in die Kniee. Aber Songs for the Deaf ist trotzdem eine Bereicherung, gerade wegen der gewollten Diskussion um das Album.
- Die Band ist einfach gut. Sie besteht aus herausragenden Musikern: Angefangen beim Ausnahmedrummer Dave Grohl, Gastsänger Mark Lanegan bis hin zu Gitarrist Dean Ween. Zudem sind sie hervorragende Songwriter. Ob sie nun komplizierte Rifforgien in harten Rockern unterbringen oder Rückgriffe auf Nuggets darstellen. All dies vermisst man schwerlich bei den meisten Rockbands von heute, ob beim Indie Rock oder beim faden Alt-Metal. Verwunderlich, warum so viele Fans guter alter Rockmusik darauf abfahren und sich vom heutigem Dreck und dessen Fehlern blenden lassen. Und trotzdem sind QOTSA eine Art Protest- und Ausnahmeband für Musiker und all diejeningen, die bis hierhin zuviel schlechte Musik gehört haben. Warum sonst sollten der größte Drummer und Gitarrist des 1990er Alt-Rock (Dave Grohl und Dean Ween natürlich) bestrebt sein, diesem Kollektiv beizuwohnen? - Nun, sie wollten mit den wunderbar talentierten Josh Homme und Nick Oliveri zusammenspielen, zwei Musiker die den Willen und Geschmack zum qualtitativ hochwertigen Jammen teilen. Und heraus kommt mehr als interessante Musik und ein Album, dass, eben wegen seiner Fehler, eines der besten Rockalben des Jahres 2002 ist.
- Aber, um den Einstieg dieses Textes nochmal aufzugreifen, die Analogie funktioniert nunmal folgendermaßen - QOTSA sind King Crimson und die White Stripes sind die Rolling Stones. Wer besser ist, ist eine Frage des guten alten Geschmacks. Aber welche der Bands, Deiner Meinung nach, spielt für eine größere Zuhörerschaft und ist dem wahren Rock näher?
- Dennis Vihar
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Queens of the Stone Age online: www.qotsa.com