- Noch vor Beginn der Aufnahmen zu Queens of the Stone Ages viertem Album, Lullabies to Paralyze, kickte Sänger, Gitarrist und Bandchef Josh Homme Bassist Nick Oliveri aus ungeklärten Gründen aus der Band. Da Homme und Oliveri schon seit 1990 und der Gründung von Kyuss Weggefährten gewesen waren, könnte diese Trennung allerlei Mitleid erregen. Wären QOTSA eine normale Band. Aber das sind sie nicht wirklich. Und die eigentlichen Regeln einer 'normalen' Band gelten da schon lange nicht. Während ihrer gesamten gemeinsamen Geschichte, seit der Gründung von Kyuss bis hin zu QOTSA und deren letztem Album, Songs for the Deaf, waren die Lineups der Bands so beständig wie Treibsand. Auch betreffend ihrer Nebenprojekte. Die rotierenden Lineups, geheuerte und gefeuerte Musiker, waren stets Teil der Bandphilosophie, sodass sie auch den Verlust von richtigen Bandmitgliedern standhalten konnten. Auch der Verlust von Oliveri sollte so verkraftet werden - sogar nachdem er Kyuss 1994 verließ und die Band ohne ihn weitermachte war das kein Problem. Die Wahrheit ist, dass der führende Kopf hinter QOTSA immer Josh Homme gewesen ist - er ist nunmal die eigentliche Konstante bei Kyuss und QOTSA, der Mann der fast die gleichen Visionen bei seinem Nebenprojekt die Desert Sessions verwirklicht hat. Und auf Lullabies to Paralyze gibt er seiner fixen musikalischen Idee wieder mehr und mehr nach. Sogar Hardcorefans werden sich anstrengen müssen, das Fehlen von Oliveri überhaupt zu bemerken.
- Sicherlich gibt es einige Unterschiede zu den vorherigen Werken. Es ist meistens spürbar, dass Lullabies to Paralyze den Touch des manischen Metal-Schnörkel vermissen lässt. Der egozentrische Humor und die zahlreichen Gimmicks wie Songs for the Deafs Radio-DJ am Anfang sind komplett Fehlanzeige. Aber trotzdem hört sich alles wie eine beruhigende Weiterentwicklung des straffen Sounds vom Vorgänger an. Richtige Crossover-Poptöne kommen mit "Burn the Witch" und "No One Knows" durch; Songs ohne QOTSAs fuzzy Gitarren, ohne den heftigen Psychelida-Hard-Rock-Touch - ersetzt durch einen unwiderstehlichen melodischen Filter der der Musik eine wahrhaftige Sexiness verleiht. All das war der Band bis dahin so fremd wie all die unwiderstehlichen Pop-Hooks. Homme hat eine Überraschung mit einem solch derartigen Ausmaß rausgehauen, dass man befürchten könnte, dass deren Rock nun Geschichte ist. Quatsch! - Anstatt mit diesen Überraschungen abzuhauen, vereint er diese neuen Elemente mit dem breiten Art Rock von R und dem dunklen, Zeichen setzenden Metal von Kyuss.
- Das Resultat ist ein perfekt dunkler, filmischer Reißer für die späten Nachtstunden.
- Einer der Gründe, warum die Band immer als die Band wahrer Musiker angesehen wurde, ist die Tatsache, dass sie so unglaublich gut mit Stimmungen ungehen und spielen können. Nein, eher zaubern. Darin sind sie Meister. Egal, ob sie in einem sechsminütigen Epos die Spannung halten und immer weiter ausreizen, oder ob sie die Spannung bis aufs Äußerste in gerade mal zwei Minuten hochkurbeln. Und die Palette der wirren Gitarren, gespentischen Melodien und minor-key Melodien scheint unendlich. Zwar ist Lullabies wohl kaum ein Konzeptalbum, dennoch drehen und wirbeln die Songs wie in einem gespentischen Zirkel, beginnend mit der von Mark Lanegan gesungenen Opener-Salve "This Lullaby". Mit jedem Track wird das Album größer und gruseliger. Alles entlädt sich im gespentischen Meisterwerk "Someone's in the Wolf". Diese verführerische Präsentation ist der Schlüssel des Erfolgs. Das ist kein oberflächlicher Nihilismus, nein, vielmehr das tiefe innerliche Bedürfnis diesen sexy-schaurigen Fantasien zu erliegen. Und man bemerke und halte fest - diese Verführung ist rein musikalisch! Spezifische Lyrics machen da kaum was aus, vielmehr ist es die Tatsache, dass sich Hommes Stimme mit der Band vermischt, so nahtlos und schön, und dass alle Instrumente eine untrennbare Einheit bilden. Dies schafft eine elastische, hypnotische Kraft die schier endlos viele Versionen eines einfachen Sounds zu kreieren vermag.
- Einfach gesagt, es gibt keine andere Rockband 2005, der man so gut und begeistert zuhören kann wie QOTSA. Andere rocken vielleicht härter oder nehmen mehr Risiken auf sich, aber keiner kann den Thron erklimmen, den die Queens einnehmen. Sie sind so gut und natürlich auf Lullabies, dass man den Verlust von Oliveri schnell vergessen kann - was wiederum ein Pluspunkt für Homme ist und seinen Trimph bemerkenswerter macht. Er ist nicht nur die treibende Kraft von QOTSA, sondern auch der Macher eines süchtig machenden Albums, das die Zuhörer dazu bewegt, sich in dessen Stimmungen fallen zu lassen.
- - Dennis Vihar
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Queens of the Stone Age online: www.qotsa.com