Queens of the Stone Age
f. 1997
Hard Rock, Heavy Metal, Alternative Metal, Stoner Metal

Era Vulgaris / 8. Juni 2007 / Interscope  

(1) Turnin' on the Screw
(2) Sick, Sick, Sick
(3) I'm Designer
(4) Into the Hollow
(5) Misfit Love
(6) Battery Acid
(7) Make It With Chu
(8) 3's & 7's
(9) Suture Up Your Future
(10) River in the Road
(11) Run, Pig, Run
(12) Another Love Song

Leiten QOTSA mit Era Vulgaris auch gleichzeitig eine neue musikalische Ära ein? - Eines steht zumindest fest: Frontmann Josh Homme ist ein Mann mit vielen grandiosen Talenten. Aber er passt nicht wirklich in diese Rockzeit hinein. Er schwebt drumherum, schielt die momentane Rockära an, flirtet mit ihr und klopft auch mal an, aber er passt nicht hinein - er ist zu sehr in den klassisch guten Rock & Roll verliebt, als dass er sich dem momentanen Verfall des Rocks hingeben würde. Man kann sagen, dass die Queens of the Stone Age-Flamme weiterhin ununterbrochen brennt; aber anders als bei den anderen jetzigen Millenium-Stars - wie Jack White beispielsweise - mangelt es Josh Homme an Pop-Einflüssen oder er lässt sie bewusst aus. Er zeigt auch kein wirkliches Interese daran, sie mit seinem Hard Rock zu vermischen (was nicht das gleiche bedeutet, wie das Auslassen von Pop-Hooks, um das mal an dieser Stelle deutlich zu machen). Und anders als der Stoner Metal-Untergrund, der ja seine Trainingsfläche ist, ist er nicht engstirnig. Er gedeiht mit seiner Musik aufgrund seiner großen Visionen und dessen tonalen Vielfalt. Tja, er ist halt eine Anomalie, die nie auf Little Steven's Rpck & Roll Underground gespielt wird, weil die Queens of the Stone Age für ihre Richtung zu hart, zu muskulös und zu geschmacklos sind. Und so werden sie nie wirklich von allen Rockliebhabern gemocht oder gar als nächste große Rockhelden gefeiert - und gerade das macht sie doch noch mehr zu wahren Rock & Rollern!
Und sollte der Rock & Roll wirklich seinem Verfall in den 2000ern entgegenstehen, so liefern Homme und seine Queens den Beweis, dass Rock nichtsdestoweniger genauso potent und grandios sein kann, wie sie auf all ihren Vorgängeralben bereits beweisen konnten. Jedes einzelne kann zweifelsohne als QOTSA-Album identifiziert werden, dennoch sind sie untereinander so unterschiedlich wie kaum eine andere Rockband-Diskografie. Ob nun das schmierige Freak-Out Album R oder der feine Gothic-Sound von Lullabies to Paralyze, dessen Sound so gewollt dunkel und bedrohlich ist, dass es weitere Fangemeinden erschloss und eine neue Ära nach dem Ausfall von Nick Oliveri einschlug. Und Nachfolger Era Vulgaris ist genauso unterschiedlich von Lullabies, wie dieses von seinem Vorgänger Songs for the Deaf. Insofern ist wirklich eine neue Ära eingeleitet worden. Das Album ist unbarmherzig direkt und auch irgendwie schwierig, erbarmungslos in dessen Wucht und fröhlich in seiner Arglist. Wie bei anderen QOTSA-Alben geben sich auch hier die Gastmusiker die Klinke in die Hand. Aber hierbei ist es nahezu unmöglich zu sagen, ob Mark Lanegan wieder etwas beigesteuert hat oder ob es wirklich so ist, dass Strokes' Julian Casablancas die Lead-Vocals auf "Sick, Sick, Sick" singt. Homme hat das Endprodukt so skrupellos zurechtgeschliffen, dass es fast gar nicht möglich ist, irgendwelche Gastmusiker auszumachen. Nun ja, QOTSA haben sich den Spuk von Lullabies to Paralyze noch ein wenig erhalten: man erkennt einen gespentischen Touch auf "Into the Hollow" - aber dennoch ist der Song und das Album an sich reiner Hard- und Biker-Rock wie auf Songs for the Deaf. Aber ohne das mythische Moment von Legende Dave Grohl. Era Vulgaris soll nicht so wie ein Monolith der Marke Songs for the Deaf wirken; sein Appell liegt in der Präzision, den harten und rhythmisch schrubbenden Riffs, die klingen als wenn sie Rost von den Tonabnehmern kratzen würden. Ein stetes Muskelspiel der Riffs, der immer pulsierenden Rhythmen und unaufhaltsam brühenden Gitarren. All diese diversen Sounds geben dem Album Kraft und auch Abwechslung. Auch wenn die Tracks keine Pop-Crossover sind - auch nicht der gefühlvolle und verlockende Groove von "Make It With Chu" (wieder belebt von Hommes Dessert Sessions) macht den Song nicht zu einem Pop-Crossover - haben sie harte Hooks die die Lieder zu einzelnen Rockhymnen machen: "Misfit Love" schlägt ein wie eine dreckige Urge Overkill-Bombe, "Battery Acid" ist metallisch hart und gemein, und wird überholt vom grandiosen "3's & 7's".
Man kann wohl kaum sagen, dass Era Vulgaris zerlegt ist und aus einzelnen Songs konstruriert erscheint. Manche sagen, es fehle an der einzigartigen QOTSA-Homogenität. Dafür aber sind die Gitarren zu bunt und die Verrückheit zu sehr gewollt. Und hierbei sind die Queens of the Stone Age auf ihrem künstlerischen Höhepunkt. So effizient und elementar wie eh und je; niemals länger bei einem Song verweilen als nötig, aus jedem drei-Minuten-Track ein kleines Epos hervorzaubern.
Es ist einfach nur erhebend, der beste Rock & Roll des Jahres 2007. Und das Jahr brauchte mit Sicherheit diese geballte Dosis an Rock.
- Dennis Vihar

 

Queens of the Stone Age online: www.qotsa.com

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