Nickelback
f. 1998 in Hanna, Kanada
Alternative Metal, Post-Grunge

All the Right Reasons / 4. Oktober 2005 / Roadrunner  

(1) Follow You Home
(2) Fight for All the Wrong Reasons
(3) Photograph
(4) Animals
(5) Savin' Me
(6) Far Away
(7) Next Constestant
(8) Side of a Bullet
(9) If Everyone Cared
(10) Someone That You're With
(11) Rockstar

Endgültig wollen Nickelback das Gerücht as dem Weg räumen, sie seien eine Grunge-Band, vielmehr seien sie eine straighte Hardrock-Band. Aber das heßt nicht, dass sie die Ängste von Grunge hinter sich gelassen hätten; sie sind eine moderene Rockband, die in der Welt des Grunges lebt und damit leben müsen. Also gilt es da eine Menge an gequälten und gepeinigten Emotionen durch diese 11 Songs zu überwinden. Wo ihre Vorgänger noch voller Ärger und Wut waren - ihr Hit "How You Remind Me" war weder liebevoll noch gefühlvoll, er war vielmehr harsch und zynisch - so ist All the Right Reasons bestückt mit einigen ruhigen und balladeartigen Momenten. Und es bleibt dabei nicht nur bei eher kopflastigen, verkrampft wirkenden Versuchen wie "Far Away" oder "Savin' Me", wo sich alles wie eine Art Lotterie der Emotionen anhört. Nein, dazu ist Chad Kroeger noch in einer nachdenklichen, melancholischen Stimmung, in der er sich gerne an seine alte Highschool-Zeit erinnert ("Photograph"). Dazu lesen sich die Lyrics wie der Tagebucheintrag eines 16-jährigen Teens ("Look at this photograph/Every time I do it makes me laugh/How did our eyes get so red?/And what the hell is on Joey's head?"). Er lamentiert über den Tod von Dimebag Darrell auf "Side of a Bullet". Und dazu noch, am packendsten von allem, stellt er sich bei "If Everyone Cared" den Tag vor, an dem niemand gestorben ist (zu hören durch die kitschig wirkende Zeile "If everyone cared and nobody cried/If everyone loved and nobody lied"). Offensichtlich genug für ein Album, das versucht, Kroegers emotionale und softe Seite einzufangen, setzen Nickelback noch einen drauf und versuchen noch mehr Dinge. Sie fügen noch ein paar Akustik-Gitarren, ein paar Piano- und Keyboardklänge hinzu. Ja, sie hören sich sogar ein bißchen freundlicher auf "Someone That You're With" an. Es hört sich schon fast wie eine kleine Befreiung von ihren heftigen Gitarren an. Man atmet ein wenig auf.
Das alles zeigt zwar eine experimentierfreudige und abwechslungsreiche Band, ändert aber nichts an deren Essenz. Sie bevorzugen immer noch die krustigen Riffs und die Ecken und Kanten, sie sind ja schließlich Nickelback und wollen ihr hartes, rockiges Image nicht so einfach gefährden. Und so rocken sie mit immer den gleichen Akkorden, den nahezu gleich gestrickten Refrains und Kroeger hört sich an, als würde er an einem Knochenbruch nach dem anderen erleiden und unter Schmerzen singen. Dazu schreibt er noch solch dämliche Verse wie "she's using her head again" (oder auch: "She'd be pissed if she could see the parts of you that I've been kissing," "It's just a little hard to leave/When you're going down on me" — und, nur um mal darauf aufmerksam zu machen, dieses Album hat keinen Parental-Advisory-Sticker, obwohl das "asshole" des Öfteren besungen wird. Andere Bands hatten weniger Glück . . .). Dazu noch der grandiose Humor von "Rockstar" - Kroeger beweist wieder, dass er keinen Sinn für Humor hat.
Sie haben sich trotz all den musikalischen Spagaten nicht verändert; sie sind immer noch schlichtweg erbärmlich.
- Dennis Vihar

 

Nickelback online: www.nickelback.com

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